Das Kaloriendefizit fürs Abnehmen

Im letzten Beitrag habe ich dir erzählt, warum Insulin und nicht die Kalorien der eigentliche Grund für Übergewicht sind. Auch wenn die Studie, die ich angebracht habe plausible klingt, möchte ich weitere Gedanken anführen, um dich von dieser tief ins Hirn eingebrannten Kalorien-Überzeugung zu lösen. Besonders jetzt in der Weihnachtszeit mit all den Plätzchen und Kalorienreichen) Leckereien wird der Beitrag für dich relevant sein.

Mittelbarer und unmittelbarer Grund für das Abnehmen

Noch einmal für dich zusammengefasst: Wenn die Kalorienkontrolle tatsächlich der unmittelbare Grund für Übergewicht wäre, dann hätten wir doch alle Werkzeuge in der Hand, die wir bräuchten, um dem Problem beizukommen. Tatsächlich ist die Kalorienzufuhr aber nur der mittelbare Grund für Übergewicht. Vergleichen lässt es sich mit Alkoholismus. Wenn man fragt, was Alkoholismus verursacht, dann ist der mittelbare Grund, dass das Individuum zu viel Alkohol trinkt. Das ist aber nicht der eigentliche (unmittelbare) Grund. Der eigentliche Grund kann beispielsweise Stress in der Arbeit, Allgemeine Unzufriedenheit oder auch ein Streit in der Familie sein. Der Ratschlag, einfach das Trinken aufzuhören, ist offensichtlich zu simpel und löst nicht den Grund für die Trinksucht.

Genauso verhält es sich mit dem Ratschlag, die Kalorienaufnahme zu reduzieren oder den Kalorienverbrauch zu erhöhen. Wie man in der Vergangenheit gesehen hat, ist es nicht sehr erfolgreich verlaufen, die mittelbare Ursache zu bekämpfen, anstatt den unmittelbaren Grund auf die Spur zu gehen.

Diese falsche Herangehensweise erklärt auch, warum immer mehr Menschen in der Bevölkerung an Übergewicht leiden. Es liegt nicht an der Veränderung unserer DNA. Auch liegt es nur zum Teil daran, dass sich die Menschen immer weniger bewegen. Es liegt vielmehr daran, dass sich der Ottonormalabnehmer nur auf die Kalorien konzentriert und damit an den falschen Stellschrauben ansetzt. Wir stützen uns auf die Kalorienüberzeugung, die jedoch auf realitätsfernen Annahmen beruht.

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik bezogen auf das Abnehmen

Die zentrale Argumentationsbasis der Kalorienpropheten zielt dabei auf den ersten 1. Hauptsatz der Thermodynamik ab. Er besagt, dass Energien, sich in einem geschlossenen System ineinander umwandeln und nicht vernichtet werden können. Demnach, so wird argumentiert, wird Energie, gemessen in Kalorien, dann in Fett umgewandelt, wenn die zugeflossene Energie höher ist als die verbrauchte Energie. Ähnliches gilt für die Fettabnahme. Verbrauchen wir mehr Energie, als wir uns zuführen, dann nehmen wir ab.

Dieser Argumentation folgend, muss man entweder die Zufuhr reduzieren oder den Verbrauch erhöhen, um Gewicht zu verlieren. Daher kann man an jedem Laufband und jeder Fitnessuhr ablesen, wie viele Kalorien man verbrannt hat und jedes Lebensmittel hat eine Kalorienangabe auf der Verpackung. Aus diesen Überlegungen resultieren die Strategien, die uns allen vertraut sind. Wir sollen entweder weniger Essen oder mehr Sport machen. Falls wir damit keinen Erfolg erzielen, wird uns Disziplinlosigkeit vorgeworfen.

Halten wir noch einmal kurz inne. Unser gesamtes Kalorienkonstrukt beruht auf dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik. Der erste Hauptsatz der Thermodynamik bezieht sich aber auf ein geschlossenes System. Frage an dich. Ist der Körper ein geschlossenes System? Die einfache Antwort darauf ist nein.

Aufgaben der Kalorien im menschlichen Körper

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Vorgänge in menschlichen Körper wofür Energie (Kalorien) gebraucht wird. Denn Energie muss nicht in Form von Fett gespeichert werden. Sie kann genauso gut für wichtige Funktionen im menschlichen Körper verbraucht werden. Entscheidend, wie wir vorher gesehen haben, ist dabei das Insulin.

Wir müssen dabei auch immer uns daran erinnern, dass all unsere Organe Energie zum Arbeiten benötigen. Das betrifft die Entgiftungsarbeiten der Leber, genauso wie Herzschlagaktivität des Herzens, die „Denkarbeiten“ im Gehirn oder die „Verdauungsarbeiten“ des Darms. Während diese relativ konstant, bleiben gibt es jedoch andere Funktionen im menschlichen Körper deren Verbrauch schwanken kann. Denn nicht nur die Organe müssen dauerhaft arbeiten. Der Körper muss wie ein Hausmeister sich selbst Instandhalten. Dazu gehört beispielsweise die Erstellung neuer Proteine, der Muskelaufbau, der Knochenaufbau. Das sind jedoch Aufgaben, die man kurzfristig nicht zum Überleben braucht.

Verbrauch von Kalorien

Bekommt der Körper dementsprechend über die Nahrung weniger Energie zu, beginnt er diese Tätigkeiten einzusparen. Er kann sich quasi diesen Hausmeister nicht mehr leisten. Somit spart er ihn ein. Ob unsere Nägel wachsen oder unsere Haare brüchig werden, bekommen wir meistens nicht so schnell mit. Was wir aber mitbekommen, ist, dass auch die Wärmebildung auf ein Minimum heruntergefahren wird.

Das ist der Grund, warum Personen, die in einer kalorienreduzierten Diät sind, davon berichten, dass sie frieren. Auch ist es der Grund, warum wir uns letharg und antriebslos fühlen und uns nicht konzentrieren können. Der Körper spart eben, wo es nicht unbedingt notwendig ist. Der Körper passt sich also einer verringerten Kalorienaufnahme an. Wie wir gesehen haben, hat er dazu verschiedene Stellschrauben. Sei es beim Denken oder bei der Reparatur von Nägeln und Haaren.

Somit ist eine der zentralen Annahmen, dass Grundumsatz/Ruhestoffwechsel, also der Kalorienverbrauch beim nichts tun konstant ist, schlichtweg falsch.

Berechnung der Kalorienbilanz fürs Abnehmen

Wenn Du die mit einer App ausrechnest, dass dein täglicher Verbrauch beispielsweise 2103kcal sind, dann mag das für den aktuellen Stand eventuell stimmen. Das würde bedeuten, Du isst 2103kcal und verbrauchst 2103kcal am Tag. Damit würdest du weder zu-noch abnehmen. Soweit logisch oder?

Doch was passiert, wenn Du jetzt auf dieser Basis die Kalorien reduzierst, sagen wir auf 1700kcal? Der Körper würde dem, indem er seinen Verbrauch reduziert, entgegensteuern. Das bedeutet im Umkehrschluss, du nimmst zwar nur 1700kcal auf, wodurch dein „Defizit“ bei 401kcal liegen müsste. Tatsächlich ist es jedoch weitaus geringer. Eventuell ist es überhaupt nicht vorhanden.  Das würde dann wiederum bedeuten, dass Du nicht weiter abnimmst. Also Folge daraus könntest du argumentieren, dass dein berechneter Energiebedarf nicht bei 2103kcal liegt, sondern bei 1700kcal. Folglich, weil du das Kaloriendefizit erreichen möchtest, reduzierst Du deine Kalorienaufnahme weiter. Sagen wir auf 1400kcal. Was passiert? Das gleiche wie vorher.

Warum Diäten scheitern

Kommt dir das bekannt vor? Natürlich kann man das Spiel nicht unendlich lang so weiterspielen. Schließlich benötigen wir immer Energie für die beschriebenen lebensnotwendigen Funktionen. Aber tatsächlich, lässt sich das Spiel so lange spielen, bis der Körper (oder der Kopf) zu der Einsicht/ Meinung gelangt, dass diese Kalorienreduktion zu sehr auf Kosten der Lebensqualität geht und (zurecht) das Handtuch wirft.

Kommt dir auch das bekannt vor? Warst Du auch in einer Diät und musstest ständig deine Kalorien weiter reduzieren, um den Gewichtsverlust aufrecht erhalten zu können? Hast Du während deiner Diät auch neidisch zu deinen dünneren Freunden geschaut und dachtest Dir, wie es sein kann, dass sie nicht zunehmen, obwohl sie bei weitem mehr essen als du? Ich denke jetzt hast du eine Antwort darauf.

Die Überlebensstrategie des Körpers

Wenn du dich fragst, warum der Körper das so macht, sehe es doch mal so:

Wir wären wohl auch kaum über Jahrtausende hinweg als Spezies so erfolgreich gewesen, wenn sich unser Körper auf sich verändernde Umweltbedingungen, in unserem Fall verringertem Nahrungsangebot, nicht anpassen könnte. Gäbe es keinen Anpassungsmechanismus, um auf die verminderte Energiezufuhr zu reagieren und alle Funktionen würden weiterhin auf Hochtouren laufen, wären wir wohl ziemlich schnell verhungert.

Stattdessen macht der Körper, vereinfacht gesprochen, eigentlich nichts anderes als ein ökonomisch denkender Mensch, dessen Einkommen reduziert wurde. Er reduziert seine Ausgaben, um möglichst lange mit dem vorhandenen auszukommen, indem er seinen Lebensstil anpasst und nicht lebensnotwendige Dinge streicht. Während bei den Ausgaben beispielsweise der kostspielige Besuch im Restaurant gestrichen wird, schraubt der Körper die Wärmebildung auf ein Mindestmaß herunter. Das konnten eben bereits viele Diäterfahrene  am verstärktem Kältegefühl am eigenen Leib spüren.

Es lässt sich festhalten, dass der Abnehmwillige sich durch die verringerte KalorienAUFNAHME auf einen verminderten KalorienVERBRAUCH heruntergehungert hat.

Konkret bedeutet das für uns, dass wir uns beim Essen zurückhalten müssen und dennoch kein Gramm abnehmen.

Das ist genau das falsche jetzt an Weihnachten. Ich möchte dich also dazu ermuntern, dir darüber Gedanken zu machen. Wahrscheinlich fragst Du dich, warum Du das vorher noch nie so gehört hast. Vielleicht machst Du dir deswegen über den Wahrheitsgehalt der Aussagen Gedanken. Das ist ganz normal und lässt sich beispielsweise durch den Bestätigungsfehler oder den Wiederholungseffekt psychologisch erklären.

Lass dir dabei Zeit. Mach dir einfach mal deine Gedanken. Im nächsten Beitrag werde ich da weiter machen, wo ich heute aufgehört hab. Wenn du dich im Beschriebenen widererkennst, kannst du dich also auf nächste Woche freuen!

Ich wünsche dir wunderschöne Weihnachten! Lass dir deine kalorienreichen Plätzchen schmecken und genieße die Zeit!

Schönen restlichen 4. Advent!:)

Dein Alexander

 

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Alexander Wunsch
Coach

Dieser Blog richtet sich an jeden, der Probleme mit dem Körpergewicht hat und/ oder sich im Dschungel der Gesundheitsinformationen nicht mehr auskennt.

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